Logotherapie nach Frankl

Aufgrund seiner Idee, dass der Mensch in erster Linie nach Sinn strebt, entwickelt der junge Arzt Viktor E. Frankl im Wien der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einen Behandlungsansatz, den er Logotherapie nennt. Ihm fehlte in der sich damals rasant entwickelnden Psychotherapie, insbesondere der Psychoanalyse und Individualpsychologie, das nach seiner von der Existenzphilosophie geprägten Sicht spezifisch Humane des Menschen. Als Grundlage arbeitete er deshalb unter dem Begriff Existenzanalyse zeitgleich eine Anthropologie aus, die allen Psychotherapierichtungen zur Ergänzung der existentiellen Ebene des Menschen dienen sollte. 1946 veröffentlicht er dieses Konzept erstmals in seinem Bestseller “Ärztliche Seelsorge”. Von diesem Zeitpunkt an wird er bis zu seinem Lebensende 1997 um die Welt reisen, um die Logotherapie zu verbreiten. 

Alfried Längle, ein enger Schüler Frankls, entwickelte den Ansatz ab den neunziger Jahren entscheidend zu einer eigenständigen Psychotherapierichtung weiter, da sich zeigte, dass andere Therapieschulen wenig Interesse an einer Integration des frankl’schen Ansatzes gezeigt sowie gesellschaftliche Veränderungen zu neuen Ansprüchen an eine zeitgemäße Psychotherapie geführt hatten. Dies ermöglichte u. a. die sozial-rechtliche Anerkennung in Österreich, aber resultierte auch in getrennten Wegen mit Frankl 

Nach heutigem Verständnis der GLE-International ist die Logotherapie ein integraler Bestandteil der umfassenderen Existenzanalyse. Für den Bereich der psychosozialen Beratung und Lebensbegleitung ist die neu gefasste Logotherapie Teil der heutigen sinnorientierten Beratungs- und Behandlungsmethode.

Sie findet ihre Anwendung in der Lebens- und Sozialberatung, in der Pädagogik, in der Seelsorge, im Coaching und in der Organisationsentwicklung. Sie gibt Anleitung und Hilfestellung bei der Bewältigung von Krisensituationen, der Behandlung von Sinnlosigkeits- und Leeregefühlen sowie längeren Belastungen. 

Das Konzept der logotherapeutischen Beratung beruht auf den Annahmen, dass der Mensch auch ein sinnsuchendes Wesen ist, das zutiefst danach strebt, sein Leben in einem Sinnzusammenhang zu verstehen. Grundsätzlich ist der Mensch frei, Entscheidungen zu treffen und die eigene Haltung zu wählen. So kann er  Stellung nehmen zu seinen charakterlichen, körperlichen, psychischen, sozialen bzw. gesellschaftlichen Herausforderungen. Ist sein Leben sinnentleert – Frankl nennt es das existenzielle Vakuum – erlebt der Mensch dies in Symptomen wie Burnout, Boreout, innere Leere, Vermeidungsverhalten, Sucht. 

Im  Gespräch unterstützen wir Berater:innen und Psychotherapeut:innen unsere Klienten dabei, das für sie Wertvolle im Leben zu entdecken, um ein Leben mit innerer Zustimmung führen zu können. Sich dabei auch vom dem zu lösen, was als begrenzend, hindernd und blockierend erlebt wird. Im gemeinsamen Denken werden neue Perspektiven in belastenden, krisenhaften oder sinnentleerten Lebensphasen gewonnen: Welche Möglichkeiten erlebe ich als wertvoll und gut? Wo soll es noch hingehen? Was kann und was darf noch kommen?