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20.04.2020

Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse – Deutschland (GLE-D)
Pressemitteilung No. 1 vom 17. April 2020 (2.236 Zeichen ohne Hintergrund)

Ängste nehmen, Orientierung bieten: existenzielle Antworten für den Umgang mit der  Corona-Krise

Von Hamsterkäufen bis zur Triage, über Fragen von Führung und vom Lagerkoller-Phänomen hin zur Kunst, die Krise zu überleben … verschiedene Therapeuten und Berater der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse in Deutschland (GLE-D) haben jüngst zu den psychischen, sozialen und politischen Auswirkungen der Corona-Krise aus existenzieller Sicht Stellung bezogen.

Unter dem Hashtag #wirhabenetwaszusagen veröffentlicht die GLE-D derzeit Stellungnahmen und Hilfen von erfahrenen Therapeuten und Beratern, die dem Verein angehören. Die von der GLE-D vertretene Existenzanalyse bietet als philosophisch fundierte und humanistisch geprägte psychotherapeutische Richtung Grundlagen für ein besseres und vertieftes Verstehen der derzeitigen Krise. Sie sieht sich dabei auch in der Tradition der von dem bekannten österreichischen Psychiater Viktor E Frankl („ Trotzdem Ja zum Leben sagen“, „Ärztliche Seelsorge“) begründeten Logotherapie, die weltweit angewendet wird. Ingo Zirks, Vorsitzender der GLE-D und selbst in Berlin arbeitender psychologischer Psychotherapeut sowie Existenzanalytiker, sagt dazu: „Auch wir als gemeinnützig und wissenschaftlich arbeitender Verein stehen jetzt in der Verantwortung, der Öffentlichkeit mit Antworten, Einsichten und Hilfestellungen beizustehen.“ Nach Meinung von Zirks betrifft die aktuelle Corona-Krise den Menschen individuell höchst unterschiedlich und fordert gerade dadurch die Gesellschaft und ihre Institutionen in bisher nicht gekannter Weise heraus. „In dieser Situation ist der Einzelne am Ende des Tages sich selbst überlassen: Die einen in Einsamkeit, die anderen in der Enge der Hausgemeinschaft. Dazu kommen diejenigen, die persönlich direkt durch Erkrankung oder Verlust aufgrund von Covid-19 betroffen sind. Das wirft letztlich existenzielle Fragen auf, die auch auf den Umgang mit der Erfahrung von Leid, Schuld und Tod zulaufen können.“

Die GLE-D hofft, mit ihren Beiträgen auch ganz praktisch Menschen mit ihren derzeitigen Lebensfragen und in der Lebensführung Unterstützung bieten zu können. Alle Beiträge zur Krise finden sich auf der Website des Vereins: https://www.gle-d.de.

 

Hintergrund

Die 2001 gegründete Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse in Deutschland e.V. (GLE-D) mit Sitz in Hannover ist ein gemeinnütziger, wissenschaftlicher Verein (derzeit 280 Mitglieder) mit dem Ziel der Verbreitung und Weiterentwicklung des existenzanalytischen Menschenbildes und seiner praktischen Anwendung in Psychotherapie, Pädagogik, Seelsorge, Sozialarbeit sowie in Arbeitswelt und Management. Dazu bietet die GLE-D eine Vielzahl von Fort- und Weiterbildungen sowie Unterstützung zur praktischen Anwendung der Existenzanalyse und Logotherapie an.

Die Existenzanalyse und Logotherapie wurde in den 1930er Jahren vom Wiener Psychiater Viktor E. Frankl (1905-1997) begründet. Sie ist in ihrem Ursprung eine existenziell-humanistische Psychotherapie für die Behandlung seelischer Probleme und Störungen wie Ängste, Depressionen, Süchte, Psychosen oder psychosomatischer Krankheiten. Ihr Ziel ist es, den einzelnen Menschen bei der Mobilisierung eigener Ressourcen zu unterstützen, sodass er einen authentischen Umgang mit der eignen Lebens- oder Berufssituation findet und mit innerer Zustimmung und Übereinstimmung mit sich selbst und seinen Werten handeln und leben kann.

Angesichts massiver gesellschaftlicher Veränderungen oder auch individueller Schicksalsschläge und Krisen, in denen der Mensch sich als belastet, fremdbestimmt, leer oder verloren erlebt, trägt die Existenzanalyse und Logotherapie zu einem gelingenden und erfüllenden Lebensvollzug bei.

In Deutschland versteht sich die Existenzanalyse als eine Methode innerhalb des einheitlichen Verfahrens „Humanistische Psychotherapie“, das vom Dachverband AGHPT (Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie) vertreten wird. Obwohl sich die psychotherapeutischen Ansätze und Methoden innerhalb des Humanistischen Psychotherapieverfahrens unterscheiden, ist allen gemeinsam ein ganzheitliches, ressourcenorientiertes Menschenbild, die therapeutische Haltung der Achtsamkeit und die Ausrichtung auf Begegnung und Anteilnahme im psychotherapeutischen Prozess mit dem Ziel, Menschen zu Bewusstheit, Selbstregulationsfähigkeit und Selbstverantwortung zu befähigen.