Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt in drei Abschnitten

  1. Grundausbildung: Existenzanalytisch-logotherapeutische Grundlagen in Theorie, (Gruppen-) Selbsterfahrung und Praxis
    (300 Ausbildungsstunden in zwei Jahren)
  2. Anleitung zur Praxis und Lehrsupervision (mind. 60 Stunden am Beginn des dritten Jahres)
  3. Weitere fallbegleitende Supervision (mind. 90 Stunden)

Das ausführliche Curriculum zur Beraterausbildung finden Sie hier.

Theorie und (Gruppen-) Selbsterfahrung

Die Vermittlung und Erarbeitung der existenzanalytisch-logotherapeutischen Theorie geschieht auf selbsterfahrerischer Basis. Der Anteil der reinen Selbsterfahrung in der Gruppe beläuft sich auf 100 Stunden. Die selbsterfahrerische Vermittlung der Theorie geschieht insbesondere mit Bezug auf eigene Motivationen in der Lebensgestaltung die biographische Entwicklung sowie die Verarbeitung persönlicher Lebenskrisen (unter besonderer Berücksichtigung noogener Faktoren) die personale Kommunikation (Begegnungs- und Beziehungsfähigkeit).

Die Ausbildung berücksichtigt die genannten Ebenen in besonderer Weise, wobei sich gruppenspezifische und situative Schwerpunkte ergeben.

Dieser Abschnitt der Ausbildung umfasst 300 Ausbildungsstunden, die in Wochenenden bzw. in Blockform (zumeist als verlängerte Wochenenden) absolviert werden (vgl. Beiblatt „Termine“).

Zeitdauer: Zwei Jahre

Anleitung zur Praxis und Lehrsupervision

Über die Grundausbildung hinaus ist für den Abschluss in existenzanalytisch-logotherapeutischer Beratung und Begleitung Abschnitt II und III erforderlich.

Der Abschnitt II beinhaltet:
Einführung in Diagnostik und Phänomenologie der Krankheitsbilder und daraus resultierende spezifische Beratung.
Beginn der Supervision in Form von Lehrsupervisionen in der Großgruppe (Anteil von 10 bis 20 Stunden)

Zeitdauer: 60 Stunden

Supervision

Die weitere Supervision der Fälle findet in Kleingruppen (Mindestanteil 70 Stunden) und/oder einzeln statt. In Österreich sind z.B. für die Erlangung eines Gewerbescheins mind. 10 Einzelsupervisionen verpflichtend, in Deutschland und der Schweiz ist das Verhältnis Einzel- zu Gruppensupervisionen frei gestaltbar.

Spezifische Fallsupervision mind. 90 Stunden
Supervision incl. Lehrsupervision daher mind. 100 Stunden

In diesem Ausbildungsabschnitt geht es um die spezielle existenzanalytische Supervision von mindestens fünf Beratungssituationen mit folgender Aufteilung:

  • mindestens zwei allgemeine Beratungsgespräche
  • eine Krisenintervention
  • zwei längerfristige Beratungen aus den jeweiligen beruflichen Arbeitsgebieten, die mehrfach zu supervidieren sind.

Die Absolventen stellen in der Gruppe vor, wie sie in den einzelnen Beratungssituationen vorgegangen sind und dabei die existenzanalytische Beratung und Logotherapie zur Anwendung gebracht haben.

Die Supervision soll spätestens im dritten Ausbildungsjahr beginnen. Sie erstreckt sich erfahrungsgemäß über ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit sind mind. 90 Supervisionsstunden in kleineren Untergruppen (in der Regel zu 5 Personen) zu absolvieren.
In der Supervision soll die Arbeitsweise und der Beratungsstil reflektiert werden, wobei auch Schwierigkeiten und Probleme aus der Beratungssituation zur Sprache kommen. Für den Abschluss der Fallsupervision ist erforderlich, daß der reflektierte Einsatz von existenzanalytischer Beratung und Logotherapie deutlich wird.

Einzelgespräche

Während der gesamten Ausbildung finden laufend Einzelgespräche statt. Die genaue Anzahl der Gespräche wird mit jedem Ausbildungsteilnehmer individuell festgelegt, um gewährleisten zu können, dass die persönlichen Voraussetzungen für sinnorientierte Beratung und Begleitung gegeben sind. Die Mindestzahl beträgt 30 Stunden. Es wird empfohlen, mit der Selbsterfahrung schon vor den Seminaren zu beginnen.

Abschlussregelungen

Anwesenheitspflicht

Für den Erwerb eines Zeugnisses ist die regelmäßige, aktive Teilnahme an allen Ausbildungsveranstaltungen erforderlich; sollte ein Teilnehmer zwei aufeinanderfolgende Tage (oder mehr) in einem Ausbildungsjahr verhindert sein, so sind die versäumten Lehreinheiten in anderen Kursen nachzuholen. Die Seminarkosten für die versäumte Lehreinheit sind gleich im Stammkurs zu bezahlen, die Nachholung ist dafür kostenlos.

Abschluss der Ausbildung

Für den Abschluss der Ausbildung sind folgende Nachweise zu erbringen:

  • Prüfungen: Am Ende des ersten Ausbildungsjahres und am Ende des zweiten Jahres ist eine mehrstündige, schriftliche Prüfung über die Theorie abzulegen. Über den erfolgreichen Abschluss der Grundausbildung erhalten Sie eine Bestätigung.
    Zum Abschluss des Praxisteils der Beratungskurse gibt es eine weitere schriftliche Prüfung mit Fallbeispielen, für deren Ablegung ein Teil der Supervision empfehlenswert ist.
  • Selbsterfahrung: Der Abschluss der Gruppenselbsterfahrung und der Einzelselbsterfahrung wird mit jeder Person besprochen.
  • Supervision: Die abgeschlossenen Fälle werden im Studienbuch attestiert.
  • Während der Ausbildungszeit ist eine Fortbildung in Form der Teilnahme an mindestens einer Jahrestagung der GLE sowie an Fortbildungsveranstaltungen der GLE-Akademie (mindestens 2 Tage) verpflichtend.
  • Für den Beratungsabschluss der Ausbildung ist eine schriftliche Hausarbeit (Abschlussarbeit) zu verfassen. Diese kann eine theoretische oder auch praktische Arbeit zu Themen bzw. zur Anwendung der Existenzanalyse und Logotherapie sein und ist vom Lehrausbildner der Gruppen und einem weiteren Ausbildner zu begutachten und anzuerkennen.
    Der Abschluss der Ausbildung kann auch in mündlicher Form erfolgen als Präsentation einer Projektarbeit (Dauer ca. 50 Minuten).

Nach Absolvierung dieser Evaluierungsschritte wird ein Beratungsdiplom der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse ausgehändigt.

Kontinuierliche Weiterbildung

Nach Abschluss der Ausbildung besteht für jene, die die Beratung professionell anwenden, die Verpflichtung zu kontinuierlicher Weiterbildung durch Teilnahme an Tagungen, Supervisionsveranstaltungen, Jours fixes und anderen Aktivitäten der GLE sowie der Institute.

Ausschlussrecht

Sollte sich die Fortführung der Ausbildung für die TeilnehmerIn oder die Gruppe als nicht zielführend oder gar hinderlich erweisen, behält sich das Ausbildungsteam das Recht zum Ausschluss vor. Dies geschieht niemals willkürlich, verlangt Überlegungsprozesse auf Seiten der AusbildnerInnen und Rücksprache mit der/dem TeilnehmerIn. Dieses Recht ist als Verpflichtung im Sinne der Gesamtverantwortung zu verstehen.

Ausbildungsziele

Im ersten Ausbildungsabschnitt (Grundausbildung) geht es um die Frage nach dem Wesen des Menschen und der spezifisch menschlichen Fähigkeiten; um die Motivation und die möglichen Ziele für ein gelingendes Leben; um die Auswirkungen und Symptome existentiellen Versagens. Die anthropologischen Inhalte werden zum größten Teil selbsterfahrerisch erarbeitet, wodurch die theoretischen Inhalten eine Anbindung an das eigene Leben und dadurch größere Plastizität erhalten.

Das Ziel der Grundausbildung besteht somit in der Vermittlung des Menschenbildes und in der ganz persönlichen, reflektierenden Erfahrung der eigenen Existenz und ihrer Möglichkeiten. Die selbsterfahrerische Vorgangsweise vermittelt bereits ein Einüben dieser Fertigkeiten für das eigene Berufsfeld. Die Aufgabe des Teilnehmers bzw. der Teilnehmerin liegt in einer differenzierten, inneren Stellungnahme zu den Inhalten der Existenzanalyse – eine Erfahrung, die der Persönlichkeitsentwicklung förderlich ist.

Die Supervision dient der Anwendung des erarbeiteten Kenntnisse sowie der Vertiefung des existentiellen Umgangs mit sich selbst, mit dem Gegenüber und der jeweiligen Situation.

Die Einzelgespräche werden während der ganzen Zeit der Ausbildung mit einem Lehrtherapeuten zu individuell vereinbarten Terminen geführt. Sie dienen der Aufarbeitung der persönlichen Umsetzung der Existenzanalyse und der sich daraus ergebenden Fragen und Probleme (existenzanalytische Selbsterfahrung) sowie der Besprechung von Themen, für die sich die Gruppensituation nicht gut eignet. Die Selbsterfahrung ist wesentlicher Bestandteil der Ausbildung.

Dauer der Ausbildung

Existenzanalytisch-logotherapeutische Grundlagen in Theorie, (Gruppen-)Selbsterfahrung und Praxis:

  • 1. + 2. Jahr insgesamt 300 Stunden Grundausbildung
  • 3. Jahr (1/2 Jahr) 60 Stunden Anleitung zu Praxis und Lehrsupervision
  • 3. + (4.) Jahr mind. 90 Stunden Supervision in Kleingruppen und Einzelsitzungen
  • Einzelgespräche ca. 30 Stunden
  • insgesamt 3-4 Jahre ca. 480 Stunden

Angerechnet werden zusätzlich:

  • 50 Stunden für die Hausarbeit und
  • 100 Stunden für Pflichtlektüre

Die Ausbildungsdauer beträgt in der Regel 3-4 Jahre. Sie ist abhängig vom Beginn der zweijährigen Supervisionsphase. Wenn sie im 2. Kursjahr schon begonnen wird, kann die Ausbildung im 3. Jahr abgeschlossen werden. Erfahrungsgemäß schließen die meisten Teilnehmer die Supervisionsphase an die zweijährige Grundausbildung an, so dass sie dann nach ca. 4 Jahren den Abschluss erreichen.

Vorbereitung zur Ausbildung

Vor Beginn der Ausbildungsseminare soll jeder Teilnehmer eine gewisse Kenntnis von der Logotherapie erworben haben, z.B. durch ein Einführungsseminar oder ein Wochenende in existenzanalytischer Selbsterfahrung. In jedem Falle aber ist die Lektüre der folgenden Bücher vor Beginn der Seminare Voraussetzung:

FRANKL V.E. …trotzdem ja zum Leben sagen.
dtv 10023

FRANKL V.E. Das Leiden am sinnlosen Leben.
Herder TB 615

FRANKL V.E. Die Sinnfrage in der Psychotherapie.
Serie Piper 214

LÄNGLE A. Sinnvoll leben.
Herder TB

Abschluss der Ausbildung und Weiterbildung zum Psychotherapeuten

Am Ende der gesamten Ausbildung wird ein Diplom für existenzanalytisch-logotherapeutische Beratung und Begleitung (Lebensberatung) ausgestellt.

Nach Abschluss dieser Ausbildung bzw. der Grundausbildung besteht die Möglichkeit, den psychotherapeutischen Teil der Ausbildung anzuschließen, sofern die Aufnahmebedingungen der GLE erfüllt sind. Genauere Auskünfte sind bei der Ausbildungsleitung zu erfragen.