HERBSTTAGUNG GLE-D 2019

Fachtagung für
Psychotherapie, Beratung, Coaching und Organisationsentwicklung

Samstag, 21. September 2019, 09.00 – 18.00 Uhr
Stephansstift, Kirchröder Straße 44, 30625 Hannover

Zur Anmeldung

Scham ist eine Emotion, die jeder von uns kennt. Sie wird meist als unangenehm erlebt, ist sie doch oft verbunden mit dem Gefühl der Bloßstellung und dem Impuls im Boden zu versinken.

Scham entwickelt sich durch die Interaktion mit anderen. Um ausgelöst zu werden, braucht sie zumindest die Vorstellung der Entblößung des Eigenen vor dem Anderen.

Aus existenzanalytischer Perspektive sehen wir jedoch auch die Schutz- und Abgrenzungsmöglichkeit der Person. Die Scham erscheint hier als Hüterin der Würde.

In dieser Tagung wollen wir genauer verstehen, wie Scham phänomenologisch, an-thropologisch und psychologisch zu beschreiben ist und welche helfenden und beschränkenden Auswirkungen sie im zwischenmenschlichen Miteinander haben kann.

Ich freue mich darauf, Sie auf unserer Fachtagung begrüßen zu können.

Vorsitzender des Vorstandes der GLE-D

Flyer Herbsttagung 2019

 

TAGUNGSABLAUF

08.30 Uhr Ankommen
09.00 Uhr Begrüßung Ingo Zirks / Daniela von Heyl (Moderation)
09.15 Uhr Vortrag Dr.  Michael Titze:
Die Umstellung der schamgebundenen Einstellung
10.15 Uhr Vortrag Ingo Zirks:
Scham – Hüterin meiner Intimität und Sexualtität
11.00 Uhr Pause
11.30 Uhr Vortrag Dr. Steffen Glathe:
So viel Glück habe ich mir nicht träumen lassen, als ich noch das hässliche Entlein war!
12.15 Uhr Fragen zu den Vorträgen
12.30 Uhr Mittagspause
13.30 Uhr Workshops parallele Angebote
15.00 Uhr Pause
15.15 Uhr Workshops parallele Angebote
16.45 Uhr Pause
17.00 Uhr Abschlussvortrag Gudrun Heindorf / Alexander Milz:
Ich könnte im Boden versinken – Personaler Umgang mit Gesichtsverlusten in Gruppen
17.20 Uhr Abschluss Ingo Zirks
17.30 Uhr Ende der Fachtagung
17.30 Uhr Mitgliederversammlung
18.30 Uhr Ende der Gesamtveranstaltung

VORTRÄGE

Dr. Michael Titze

Psych. Psychotherapeut, Psychoanalytiker/Individualpsychologe, Gelotologe

 

 

Die Umstellung der schamgebundenen Einstellung

Scham ist, intentional betrachtet, eine Sicherungstendenz, welche die personale Integrität behüten soll. Ihr Ursprung findet sich in einer affektiven “Urhemmung”, die  auf das schmerzliche Erleben eines “absoluten Liebesunwertes” zurückgeht. Aber im Gegensatz zur nahe stehenden Angst folgt die Scham nicht dem Zweck physischer Selbsterhaltung. Sie soll vielmehr eine weitere Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls verhüten. Diese selbstbezogene Scham gipfelt in der Überzeugung, das Anrecht auf Menschenwürde verspielt zu haben. Daraus resultiert der Drang, sich zu verbergen bzw. aus der mitmenschlichen Welt zu „verschwinden“.

Viele Symptome, mit denen sich ein Patient in eine Psychotherapie einbringt, lassen sich auf verborgene Schamgefühle zurückführen. Wenn diese  Symptome „paradoxer Weise“ angenommen bzw. zusätzlich intentional verstärkt werden, kann sich die schamgebundene Einstellung des Patienten  umstellen: Aus dem lebensgeschichtlich bestimmenden Zwang zur Unauffälligkeit kann so ein selbstbestimmter Wille zur Auffälligkeit entstehen, der nicht zuletzt auch die Haltung eines Komikers bestimmt.

Dr. med. Steffen Glathe

Existenzanalytiker, Arzt, Theologe, Autor, info@steffen-glathe.de

 

 

„So viel Glück habe ich mir nicht träumen lassen, als ich noch das hässliche Entlein war!“

Den Augenblick, in dem Scham zur Sprache gebracht werden kann, erlebe ich immer neu kostbar, anrührend  und nicht selten als therapeutisches Schlüsselmoment. Anhand einiger Beispiele möchte versuchen, die Struktur dieses Augenblicks auszuloten und  zu verstehen,  wie sich darin heilsame Verwandlung vollziehen kann.

Ingo Zirks

Psych. Psychotherapeut, Existenzanalytiker/Logotherapeut, VT, Sexualtherapeut

 

 

Scham – Hüterin meiner Intimität und Sexualität

Das Schamerleben ist – wie wir immer wieder erleben müssen – zu tiefst leiblich erfahrbar. Schon als Säugling gibt es Vorstufen der Scham. Mit dem Heranwachsen in der Gemeinschaft und der Fähigkeit der Selbstwahrnehmung sehen wir uns mit dem Augen der anderen und erleben uns deren Bewertungen ausgeliefert. Dieser Prozess hat Auswirkungen auf das Erleben von Intimität und Sexualität, die sich lebenslang entwickeln. Wenn von Erwachsenen und auch Peers Grenzen unterschiedlicher Art überschritten werden, kann es zu Verletzungen kommen, die sich leiblich wie seelisch immer wieder im Hier und Jetzt aktualisieren.

Im Vortrag soll deutlich werden, dass Scham die Person vor unbefugter Entblößung schützt, so dass Verletzliches, Intimes und noch nicht Bereites geborgen bleiben können.

Ich will an Beispielen zeigen, wie professionelle Situationen und Beziehungen gestaltet werden können, so das es zu einer Begegnung des Menschen mit sich selber aber auch mit Mitmenschen kommen kann und der Inhalt der Scham wertschätzend geborgen wird.

Gudrun Heindorf, Alexander Milz

Ich könnte im Boden versinken
Personaler Umgang mit Gesichtsverlusten in Gruppen

Wenn uns etwas widerfährt, was wir als Gesichtsverlust empfinden, würden wir am liebsten im Boden versinken. Besonders der Gruppenkontext ist dabei ein Verstärker des Gefühls der Blamage. Verdrängen wir jedoch die Gefühle der Blamage können in Folge psychische Probleme entstehen, die sich wiederum belastend auf die Beziehungen in Gruppen auswirken können. Anhand von Fallvignetten aus Training und Coaching illustrieren wir, wie es durch einen personalen Umgang gelingen kann, sich selbst wieder ins Gesicht zu schauen.

WORKSHOPS

Helmut Dorra

Existenzanalytiker/Logotherapeut, Psychotherapeut (HPG), Theologe, Gerontologe

 

 

Scham in der Pflege älterer Menschen

Einschränkungen oder Beeinträchtigungen im Alter, körperliche oder kognitive Schwächen gehen häufig mit der Erfahrung oder Befürchtung einher, beschämt zu werden.
Auf welche Weise können Helfende und Betreuende im Rahmen institutioneller Pflege, therapeutische Begleitung oder medizinischer Behandlung zu einem wertschätzenden und würdigen Umgang mit hilfebedürftigen alten Menschen beitragen?

Mag. Dr. Andrea Stöckl, M.Sc.

Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision; Traumatherapeutin in Ausbildung unter Supervision

 

 

Giftige Scham: Wie aus der helfenden Scham eine zerstörerische Kraft wird

In der Existenzanalyse wird das Gefühl der Scham als ein positives Kraft der Empfindung gesehen, in welchem sich der Mensch von der Umwelt abgrenzen kann, wenn er dieses Gefühl wahrnimmt und seine Botschaft umsetzt. Der Mensch empfindet Scham, wenn jemand anderer zu nahetritt oder wenn die eigenen Werte verletzt werden. Scham hat daher auch immer etwas mit Moral zu tun: man wird den eigenen Werten oder die der anderen nicht gerecht und die Scham zeigt einem dann, dass man es ‚eigentlich’ anders machen hätte sollen. Diese Eigentlichkeit der Werte, die uns das Gefühl der Scham zeigt, ist in der Begegnung mit dem Klienten sehr wichtig und sollte daher vom Therapeuten als eine innere ‚Warnanlage’ des Klienten ernst genommen werden. Im Gegenteil dazu verhält es sich mit der giftigen Scham anders: Giftige Scham entsteht oft aus einer traumatischen Erfahrung in frühkindlichen Entwicklung des Menschen und wird so Teil seines oder ihres psychischen Apparates. Diese traumatischen Erfahrungen können sich sowohl durch Migrationserfahrungen bilden oder auch durch ein Elternhaus, in welchem psychische und physische Gewalt sowie Vernachlässigung stattfinden. Diese Scham, die zu einem Teil des psychischen Coping werden, fühlt sich im Alltagsleben ganz anders an als die gesunde Scham und zeigt sich anders in der Begegnung mit dem Klienten. In meinem Workshop möchte ich erörtern, wie man als Therapeut diesen phänomenologischen Unterschied im Gefühlshaushalt des Klienten erkennt, wie man mit ihm arbeitet und wie man ihn im Endeffekt doch noch nutzen kann, um mit späten Folgen der Beschämung wie Sucht, Selbsthass und Dissoziation umgehen zu können.

Dipl.-Psych. Dr. Michael Titze

Psychologischer Psychotherapeut, Autor, Gründungsmitglied der GLE und wissenschaftlicher Beirat der Zeitschrift „Existenzanalyse“. Initiator der internationalen Gelotophobie-Forschung, Gründungsvorsitzender von HumorCare Deutschland-Österreich und Leiter der HCDA-Akademie.

 

Der Mut zur Lächerlichkeit als Therapeutikum: Eine Einführung in das Humordrama

Viktor Frankl regte bereits 1959 eine humorzentrierte Vorgehensweise an, die aus der Dynamik der therapeutischen Beziehung heraus entsteht:

„Der Patient soll lernen, der Angst ins Gesicht zu sehen, ja, ihr ins Gesicht zu lachen. Hierzu bedarf es eines Mutes zur Lächerlichkeit. Der Arzt darf sich nicht genieren, dem Patienten vorzusagen, ja, vorzuspielen, was sich der Pa­tient selbst sagen soll. Durch diesen Humor lernt der Patient, seine neurotischen Symptome irgendwie zu ironisieren.“ (Frankl 1987, S. 164) 

Diese interaktiven Anregungen greift das Humordrama gezielt auf. Fokussiert werden „peinliche“ Ausdrucksweisen einer Schamangst, die den Patienten als „unfreiwillig komisch“erscheinen lassen. Im Humordrama erfahren diese Elemente – paradoxer Weise –eine besondere Wertschätzung, wodurch allmählich die Voraussetzung für die Entwicklung der Identität eines „freiwilligen Komikers“ geschaffen wird. Die Teilnehmer lernen dabei, mit Spaß und Spielfreude „komisch“ zu sein. Dies gelingt spezifischer Weise mit Hilfe der clownesken Reduktion, die den Zugang zu persönlichkeitsspezifischen Ressourcen der Protagonisten eröffnet. Therapeut und Co-Therapeut (als „therapeutischer Clown“) sind in diesen Prozess unmittelbar einbezogen.
In diesem Workshop werden die Voraussetzungen der clownesken Reduktion zusammen mit den Kursteilnehmern erarbeitet und für die psychotherapeutische Arbeit nutzbar gemacht.

www.michael-titze.de
www.humorcare.com
www.humorberater.de

Zorana Dippl

Dipl.-Psych., Psychologische Beraterin und Business-Coach, Organisationsentwicklerin, Ausbildung zur Existenzanalytischen Beraterin und Logotherapeutin; Tätigkeiten in Lehre, Forschung und Wirtschaft

 

Burnout als moderne Beschämungsfalle

Burnout – ein Phänomen unserer heutigen Gesellschaft – führt immer mehr Menschen durch Selbstüberforderung in die Erschöpfung und oftmals in die Selbstentwertung. „Ausgebrannte“ Menschen fühlen sich von sich selbst enttäuscht und stellen beschämt fest, dass sie die erwünschte Selbstbestätigung, die sie in ihrer Arbeit gesucht haben, nicht erhalten. Hinzu kommt, dass Scham, als Gefühl, gerade Burnout-Betroffene nur schwer zulassen können. Es passt nicht zu der Vorstellung, wie man sein will und Scham wird vielmehr als Ausdruck von Schwäche erlebt. Also wird dieses unangenehme Gefühl vermieden oder abgewehrt – mit fatalen Folgen. Denn die erlebte „innere Kündigung“ erfolgt in doppeltem Sinne. Man kündigt und entfremdet sich nicht nur von der Arbeit, auch kündigt man sich selbst.

In dem Workshop wollen wir erarbeiten, wie Scham als existenzielle Ressource in der Arbeit mit Burnout-Klienten genutzt werden kann, indem sie den Klienten in die emotionale Beteiligung holt und einen Beitrag zum Überdenken der eigenen Handlungsoptionen leistet.

Geertje Bolle

Existenzanalytikerin und Logotherapeutin, Pfarrerin und Klinikseelsorgerin
Leitungsmitglied des Berliner Instituts der Akademie für Existenzanalyse und Logotherapie
Das bewegt mich im Thema – Ein Angebot zur kollegialen Intervision
Dem Thema der Tagung folgend findet eine kollegiale Besprechung eigener beruflicher Situationen statt.
Die Aufgabe des Gruppe ist die Stärkung des/ der vorstellenden KollegIn, ein tieferes Verstehens der Phänomene
und vielleicht die Erarbeitung eines nächsten Schrittes.
Martin Reinert
Theologe, Priester, Exerzitienseelsorger und geistlicher Begleiter, existenzanalytischer und logotherapeutischer Berater

 

Scham in geistlichen Prozessen

Auch in Seelsorge und geistlichen Begleitungsprozessen tritt Scham als Signal der Abgrenzung und als Schutz vor Verletzungen der Integrität und Würde einer Person auf. In dieser spezifischen Weise der Begleitung von Menschen bedarf es einer Bearbeitung und Vergewisserung des zugrunde liegenden Gottesbildes, um eventuelle Schieflagen in der Begleitungsbeziehung im Sinne von Beeinflussung und Steuerung (‚Seelenführung‘) auszuschließen. Scham kann dabei ein wichtiger Indikator für Grenzüberschreitungen und Gewissensmissbrauch sein. Wie kann in einem von Religion und Glaube geprägten Kontext Begleitung gelingen?

Dunja Hanselmann
Einführung in die Existenzanalyse und Logotherapie
Im Mittelpunkt der Existenzanalyse und Logotherapie steht der Begriff “Existent”. Damit ist ein sinnvolles, in Freiheit und Verantwortung gestaltetes Leben gemeint, das die Person im dialogischen Austausch mit Anderen und im Erkennen der jeweiligen Lebensmöglichkeiten zur Existenz führt.
In dieser Einführung werden die anthropologischen Grundlagen und thematischen Schwerpunkte dieser existenziellen Richtung der Psychotherapie und Beratung sowie deren Anwendungsfelder vermittelt.

TAGUNGSPREISE

Frühbucherpreis
bis 30.06.2019
Sommerpreis
bis 31.07.2019
Normalpreis
ab 01.08.2019
Mitglieder der GLE-D 120 € 125 € 135 €
Nichtmitglieder  135 € 140 € 150 €
Mitglieder der GLE-D
mit Lebenspartner
215 € 220 € 235 €
Nichtmitglieder
mit Lebenspartner
230 € 240 € 260 €

 

Die Kosten für die Verpflegung im Tagungshaus sind in der Tagungskarte enthalten.

Für Studierende und Kleingruppen ab 3 Personen (aus einer Organisation) kalkulieren wir Spezialpreise. Bitte setzen Sie sich dazu mit unserem Büro in Verbindung.

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Mitglieder der GLE-D
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Mitglieder mit Lebenspartner
Nichtmitglieder mit Lebenspartner

Frühbucherpreise
bis 30.06.2019

120,00 EUR135,00 EUR215,00 EUR230,00 EUR

Sommerpreise
bis 31.07.2019

125,00 EUR140,00 EUR220,00 EUR240,00 EUR

Normalpreis
ab 01.08.2019

135,00 EUR150,00 EUR235,00 EUR260,00 EUR

Für Studierende und Kleingruppen ab 3 Personen (aus einer Organisation)
kalkulieren wir Spezialpreise. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

* Die Kosten für die Verpflegung im Tagungshaus sind in der Tagungskarte
inkludiert.

Workshop-Auswahl der Begleitung

Persönliche Daten

LITERATUR

Rolf Kühn, Michael Raub, Michael Tietze (Hrsg.) Scham - ein menschliches Gefühl

Das Thema Scham erscheint in einer Zeit, in der Wertmaßstäbe immer unverbindlicher werden, weitgehend überholt. Andererseits wenden sich Vertreter verschiedener Humanwissenschaften seit neuestem zunehmend diesem Thema zu, mit dem sich zuvor fast ausschließlich Theologen und Philosophen auseinandergesetzt haben. Psychoanalytiker registrieren vermehrt narzißtische Persönlichkeitsstörungen, die im wesentlichen Ausdruck von spezifischen Schamproblemen sind. Sozialwissenschaftler und Juristen ziehen Scham zur Erklärung gesellschaftlicher Phänomene mit heran. Die Beiträge dieses Bandes vermitteln jeweils aus der Perspektive von Psychoanalyse, Psychiatrie, Philosophie, Sozialwissenschaft, Jurisprudenz und Theologie fundierte Einblicke in die aktuelle Diskussion.

Alfried Länge, Alice Holzhey-Kunz Existenzanalyse und Daseinsanalyse, Seiten 251-259

Scham und Schuld

Wiebke Dankowski Leiblichkeit und Schamerleben, in: EXISTENZANALYSE Nr. 2 / 2009, Seiten 136-140

Obgleich die Scham ein Konstitutivum der Person ist und jeder Mensch die Erfahrung von Beschämung macht, wird Scham meist tabuisiert, weil sich in ihr unsere Verletzlichkeit zeigt. Die Scham ist jedoch zuallererst eine Schutzfunktion für die Intimität und Würde der Person. Wenn die Scham verletzt wird, drückt sich dies unmittelbar körperlich aus. Der Schamaffekt wird als bedrohlich erlebt und durch verschiedene Copingreaktionen maskiert. Gerade unsere Körperlichkeit verbindet sich mit Schamgefühlen, die verdeckt werden. Die Scham als Schutzfunktion wieder wahrzunehmen bewahrt vor entpersonalisierender Schamlosigkeit.

Birgitt Röttger-Rössler Zur Kulturalität von Emotionen, in: EXISTENZANALYSE Nr. 2 / 2010, Seiten 20-27

Das Ziel des Beitrages liegt darin, einen Einblick in die Vielgestaltigkeit kultureller Emotionscodierungen zu geben. Am Beispiel der emotionalen Dimensionen Trauer, romantische Liebe (Verliebtheit) und Scham wird aufgezeigt wie unterschiedlich diese in verschiedenen Kulturen ausgestaltet, gewichtet und mit Bedeutung versehen werden. Kulturen, so wird argumentiert, modellieren die menschliche Emotionalität nicht nur oberflächlich auf der Ebene sozialer Ausdruckskonventionen, sondern bis hinein in die Bereiche der subjektiven Wahrnehmung: Kulturelle Emotionsmodelle geben die Parameter vor, mittels derer ein Mensch seine Empfindungen als distinkte Emotionen wahrnehmen, einordnen, interpretieren und sich selbst sowie anderen erklären kann. Sie definieren, was als emotionale Kompetenz respektive Inkompetenz anzusehen ist.

Peter Bieri Eine Art zu leben - Über die Vielfalt menschlicher Würde

Was ist das eigentlich, die Würde? Der bekannte Philosoph und Romancier Peter Bieri (›Nachtzug nach Lissabon‹) hat sie zum Gegenstand seines Nachdenkens gemacht. Unter Rückgriff auf eigene Erlebnisse und anhand von Beispielen aus der Literatur erforscht er die Würde nicht als Recht oder als Eigenschaft, sondern als eine bestimmte Art zu leben. Drei Fragen geben dabei den Rahmen ab: Wie behandeln mich die anderen? Wie stehe ich zu den anderen? Wie stehe ich zu mir selbst? Die philosophische Antwort, so stellt sich heraus, ist eine Antwort auf die fundamentale Frage, was das für ein Leben ist, das wir als Menschen leben müssen. Eine so lebendige wie klare Analyse eines der wesentlichen Begriffe unseres Menschseins, ein reiner Lesegenuss.

Daniell Hell Lob der Scham: Nur wer sicht achtet, kann sich schämen

Weil Scham zumeist mit sozialer Schande oder narzisstischer Kränkung gleichgesetzt wird, genießt sie gemeinhin einen schlechten Ruf – doch zu Unrecht, wie Daniel Hell aufzeigt: Wir sollten sie als »Türhüterin des Selbst« achten und schätzen lernen. Als Sozial-, Selbst- und Wertgefühl dient sie uns als ein hilfreicher Sensor, der einen Verlust an Selbstrespekt oder eine Identitätskrise anzeigt. Geprägt von seiner klinischen Erfahrung als Psychiater und Psychotherapeut, seinen Forschungen zu affektiven Störungen und einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Fachliteratur vieler kultur- und naturwissenschaftlicher Disziplinen gibt Hell der Scham wieder diejenige Bedeutung zurück, die ihr im menschlichen Leben zukommt.
Dabei macht Hell eines klar: Scham zu verdrängen, anstatt konstruktiv mit ihr umzugehen, erhöht die Gefahr von Narzissmus und zwischenmenschlichen Kränkungen.

Dr. Michael Titze Die heilende Kraft des Lachens. Mit therapeutischem Humor frühe Beschämungen heilen.

Mit Humor die Lebenskraft befreien

"Hölzerne" Menschen haben oft Schwierigkeiten, von anderen akzeptiert zu werden. Dieses Buch zeigt einen interessanten neuen Therapieansatz, wie frühe Beschämungen geheilt werden können.