Das Eigene erfassen
Die Welt ist anspruchsvoll. Permanent fordert sie, dass wir uns auf Ereignisse, Krisen und Veränderungen einstellen und damit umgehen lernen. Was gestern galt, gilt heute vielleicht nicht mehr. Informationsflut, Schnelligkeit und Leistungsorientierung erschweren uns ein Innehalten und Spüren, was gerade stimmt – was für uns wahrhaftig ist.
Hinzu kommen die Herausforderungen des eigenen Lebens. Zwischen Verpflichtungen und Anforderungen kann das Gefühl entstehen, sich selbst nicht mehr gerecht zu werden. Ein Gefühl, das in Erschöpfung, in innere Zerrissenheit münden kann oder uns gar an der Welt verzweifeln lässt.
In der Existenzanalyse verstehen wir das Mensch-Sein in seinem Ursprung als dialogisch angelegt. In Resonanz mit der Welt entwickeln wir unser Selbst und damit die Grundlage innerer Abstimmung. Doch was geschieht, wenn dieser innere Dialog nicht mehr gelingt? Wenn wir selbst darin kaum noch vorkommen?
In einer Welt, die ständig fragt und fordert entsteht eine Herausforderung: das Eigene erfassen und sich daran ausrichten.
Wie also können wir Menschen in Therapie und Beratung darin unterstützen, sich selbst treu zu bleiben, trotz innerer und äußerer Ansprüche? Was braucht es, um sich selbst so nahe zu sein, dass die Fragen des Lebens mit innerer Zustimmung beantwortet werden können? Und wie kann es gelingen, sich selbst sein zu lassen, um authentisch zu antworten?
Diese Tagung lädt dazu ein, gemeinsam nachzudenken, zu vertiefen und in Austausch zu kommen. Als Fachpersonen und als Menschen, die immer wieder neu gefragt sind, in sich Stellung zu beziehen: zu sich selbst, zu anderen und zur Welt.
Dabei möchten wir folgende Dimensionen näher betrachten:
- Persönlich-biografisch: Wie hören sich meine inneren Dialoge an und wie kann Selbstannahme gelingen?
- Im Miteinander: Was braucht es, damit ich mir selbst treu und gleichzeitig offen sein kann, im alltäglichen Miteinander genauso wie in den wichtigsten Beziehungen?
- Gesellschaftlich: Wie finde ich zwischen tönenden Forderungen von Mehrheiten und Minderheiten, von Parteien und Akteuren meine innere Stimme – die eigene und leise? Die spürbare. Nahe.